17.03. bis 22.03.2020
Der erste Ort nach der Grenze ist Chile Chico. An der dortigen Touristeninformation gibt es kostenloses WLAN und wir wollten uns über die Situation in Chile informieren.
Auch hier war die Touristeninformation geschlossen aber eine Mitarbeiterin stand vor der Tür und hat uns und den anderen Touristen mitgeteilt, dass in Chile auch alle Nationalparks geschlossen wurden 😳.

Ok, dachten wir, die Landschaft hier ist wunderschön und an der Carretera Austral entlang wird sich schon was außerhalb eines Nationalparks zum wandern finden. Vorsichtshalber noch einen Großeinkauf mit Vorräten für die nächsten Wochen getätigt und dann sind wir los gefahren.
Von Chile Chico führt eine tolle Küstenstraße (265-CH) 115 km entlang des Lago General Carrera bis nach Puerto Guadal. Der See ist der gleiche wie in Los Antigues, nur hat er in Chile einen anderen Namen. Kurz nach dem Ort Puerto Guadal biegt man in die legendäre Carretera Austral ein.







Unterwegs zur Carretera Austral haben wir einen Übernachtungsstopp eingelegt und am Abend haben sich zwei Französinnen mit ihrem Pickup-Camper dazugesellt. Die beiden erzählten dass sie morgen eine Wanderung zum Lago Leones machen wollen. Der See liegt in einem kostenlosen Nationalpark und der kann ja wohl nicht geschlossen werden 🤗 Die Idee fanden wir gut und die Wanderung wollten wir auch machen.



Die legendäre Carretera Austral (Ruta 7) ist rund 1350 Kilometer lang und reicht von Villa O‘Higgins ganz im Süden bis nach Puerto Montt im Norden. Die Strasse wurde in den 1980er-Jahren zur Zeit der Pinochet-Diktatur zu bauen begonnen. Der Straßenbau erwies sich als äußerst schwierig, da die Landschaft von Fjorden, Gletschern und Gebirgszügen durchschnitten ist. Diverse Meerengen müssen per Fähre überquert werden. Aktuell wir an der Strasse immer noch gebaut und viele Abschnitte sind in der Zwischenzeit schon geteert.




Ein paar Kilometer vor Puerto Rio Tranquilo ging es dann links weg auf den Feldweg (X-732) zum Lago Leones.

Die Strasse zum Startpunkt der Wanderung war abenteuerlich mit engen Waldabschnitten und sandigen Passagen mit teilweise extremer Schräglage. Ich war entsetzt, Timo happy. Glücklicherweise ist uns niemand entgegen gekommen. Ein bißchen Flurschaden am Buschwerk und unserem Auto lies sich dabei nicht vermeiden 🙄.

Die Strasse ging über mehrere private Grundstücke so dass diverse Gatter auf und wieder geschlossen werden mussten.


6 km vor dem eigentlichen Start der Wanderung wurden wir durch eine Brücke gestoppt die wir nach Begutachtung lieber nicht befahren wollten.


Das Wetter für die Wanderung war nicht so toll, aber nachdem wir jetzt schon die 9 km gefahren sind wollten wir wenigstens bis zum Start der Wanderung spazieren.


Auf halben Weg wurden wir vom Besitzer des Grundstücks über das wir wanderten abgefangen. In bestem Englisch hat er uns erklärt dass er von der Nationalparkverwaltung aufgefordert wurde den Zugang zum Nationalpark zu schließen und wir jetzt wieder umdrehen müssen. Im Gespräch stellte sich heraus dass er Schweizer aus dem französischen Teil der Schweiz ist und das Land gekauft hat um es zu renaturieren. Warum er das macht und wie er sich finanziert haben wir uns nicht getraut zu fragen. Es gibt eine Homepage zu diesem Projekt, einfach nach Pichimahuida suchen. Vielleicht werdet ihr beim Lesen schlauer 🤗

Wieder zurück auf der Carretera Austral ging es weiter bis zur Hauptstadt der Region Coyhaique. Leider war es die ganze Zeit bewölkt oder es hat geregnet und von den Bergen und der schönen Umgebung war nicht viel zu sehen.


Unterwegs mussten wir zwei mal einen „Sanitary Check“ des Militär passieren. Unser KFZ-Kennzeichen sowie unser Pass-Nummern wurden protokolliert und es wurde Fieber gemessen.

In Coyhaique konnten wir unseren Gastank fachgerecht betranken lassen. Das ganze hatte keine 2 Minuten gedauert. Das schwierigste war unser LKWle in das umzäunte Gelände mit schmaler steiler Einfahrt an die Tankstelle zu manöverieren.

Nach Coyhaique haben wir die Carretera Austral für ein paar Kilometer verlassen und sind einen kleinen Umweg durchs Rio Simpson-Tal Richtung Puerto Aysén gefahren. Unterwegs haben wir einen Übernachtungsstopp eingelegt.
Am nächsten Morgen ging es dann weiter, vor Puerto Aysén rechts weg durchs Rio Mañihuales-Tal bis wir wieder auf die Carretera Austral gekommen sind. Das Wetter war immer noch regnerisch. Unterwegs haben wir uns in Villa Mañihuales im dortigen Park bei Regen die Füße vertreten.



Da wir für die Region auf den falschen Telekomunikationsanbieter (Claro) gesetzt hatten, waren wir gefühlt von der Außenwelt abgeschnitten. Unsere Picknickstops wurden nach Telefon-Empfang ausgerichtet und teilweise haben wir dann einfach am Straßenrand geparkt. Da wir durch unsere Bekannten aus Argentinien mitbekommen haben dass für das ganze Land eine Ausgangssperre verhängt wurde, wollten wir informiert sein wie es sich mit Corona in Chile entwickelt, damit wir uns rechtzeitig einen geeigneten Parkplatz in Supermarktnähe suchen könnten.
Als wir gerade beim Surfen waren hatte ein weißer Kastenwagen mit Schweizer Kennzeichen neben uns angehalten. Wir hatten den Kastenwagen schon öfters auf unserer Tour nach Norden gesehen. Aber jetzt ist er aus Norden gekommen?
Baptiste (französischer Schweizer) hat uns erzählt er war schon bis Puerto Cisne gefahren, aber es fahren dort keine Fähren mehr. Er hat uns dann auch die Bilder von Straßenblockaden vor Chaiten und die zum Flughafen Balmaceda bei Coyhaique auf seinem Handy gezeigt und für sich entschlossen wieder zurück nach Chile Chico zu fahren. „Da wäre man sicher und es gibt auch ein Krankenhaus“. Etwas geschockt von den Bildern haben wir uns dann ihm angeschlossen und sind wieder umgekehrt. Immerhin 200 km bis Puerto Ibáñez, von dort gibt es eine Fähre nach Chile Chico so dass wir nicht nochmal um den ganzen See herum fahren mussten.


In Chile Chico wurden wir dann mit viel Blaulicht empfangen. Bei jeder Person die von der Fähre runter gefahren ist wurde Fieber gemessen. Wir Touristen mussten auch wieder zwei Seiten Fragebogen ausfüllen wo wir die letzten 30 Tage waren. Der Gouverneur von Chile Chico war aber sehr freundlich und hat gesagt wir können in Chile Chico bleiben sollen aber Kontakte meiden.