17.06. bis 24.06.2020
Nachdem wir für unseren Heimflug alles in die Wege geleitet hatten wollten wir die verbleibenden Tage noch nutzen und weiter nach Norden fahren. Eva und Marco sind mit ihrem Truck problemlos durch den Gesundheits-Checkpoint an der Maut-Station Pichidangui gekommen. Jetzt waren wir gespannt ob es bei uns auch funktioniert.
Zunächst sind wir im strömendem Regen weiter an der Küste entlang gefahren und haben uns kurz Zapallar angeschaut. Der Ort liegt am Hang und besteht aus einem kleinen Zentrum um das sich die Villen Chiles wirtschaftlicher und politischer Prominenz angesiedelt haben.


Schade dass das Wetter so schlecht war, es hätte hier eine befestigte Küstenpromnade für einen Spaziergang gegeben.


Weiter an der Küste entlang ging es durch den Ort Papudo, danach mündete die Küstenstrasse in die Panamericana (Ruta 5).


Die Panamericana ist in Chile eine bestens ausgebaute Autobahn die teilweise mautpflichtig ist. 40 Km nach Einfahrt auf die Ruta 5 kam die Maut-Station in Sicht. Davor war eine lange Schlange von PKWs die vom Militär und Gesundheitspersonal kontrolliert wurden. Die LKWs wurden auf der rechten Spur an der PKW-Schlange vorbeigelotst. Wir wurden als LKW identifiziert und durften ohne jeglicher Kontrolle im Fluß der anderen LKWs durchfahren. Das war einfach 😀 von Berichten anderer Reisenden wussten wir dass sie umkehren mussten.
Jetzt waren wir also in der Region Coquimbo, der fünfnördlichsten Region ca. 400 km nördlich von Santiago, angekommen. Das musste mit einem Bierchen gefeiert werden. Dazu sind wir gleich nach Pichidangue bei Quilimari von der Autobahn runter und in die Dünen abgebogen. Auf der Zufahrt in die Dünen wurde ein Neubaugebiet erschlossen. Der „Pförtner“ der Baustelle wollte uns nicht durchlassen aber es gab die Möglichkeit links oder rechts um das Neubaugebiet herum an den Strand zu kommen.
Wir hatten es zuerst nach rechts versucht, aber am Eukalyptus-Baum war für unser Fahrzeug der Weg zu Ende.

Zurück und links rum ging es problemlos, wobei ich mir nicht so sicher war wie wir die Düne wieder hoch kommen würden.




Am nächsten Morgen sind wir ganz easy die Sandpiste wieder hoch gekommen und hatten uns auf den Weg nach Osten in die Berge aufgemacht. Nachdem die Panamerica als zweispurige Autobahn nicht so spannend war, wollten wir noch ein Stück die Ruta los Cristales (D-377E) durch die Berge nach Illapel fahren. Die erste Möglichkeit bei Quilimari war gleich mit einer Gesundheitskontrolle ausgestattet und darauf hatten wir keine Lust, also erst ein Stück weiter auf der Ruta 5 und dann die zweite Querverbindung nach Caimanes.

Bis Caimanes ging es ohne Gesundheitskontrolle, jedoch war dann am Ortseingang Schluss. Der Tunnel nach Caimanes Richtung Illapel war ebenfalls geschlossen. Damit niemand auf die Idee kam „von Hinten“ durch den Ort zu fahren wurde auch gleich die Strasse blockiert. So sind wir wieder umgedreht.

Wir wussten jetzt nicht ob wir bis nach Illapel durchkommen würden, es war schon spät und tanken mussten wir auch noch. Daher haben wir beschlossen wieder zu den Dünen bei Pichidangue zurückzufahren.






An nächsten Tag hatten wir den direkten Weg nach Illapel genommen. Kurz vor Illapel war eine Gesundheitskontrolle, aber wir durften nach der obligatorischen Befragung und Fiebermessen weiter fahren.



Am Ortsende von Illapel sind wir rechts abgebogen und am Rio Illapel entlang bis zum Stausee El Bato gefahren. Hier gibt es einen Picknickplatz der auch zum Übernachten gut geeignet war.






Generell ist die Region Coquimbo geprägt von Wüstenlandschaften und knochentrocken. Wasser ist hier kostbar und auch im Stausee war nicht viel Wasser drin. Uns hatten vorallem die riesigen Kakteen beeindruckt.

Am nächsten Morgen sind wir noch ein Stück weiter ins Tal hineingefahren. Gemäß einer Übersichtstafel für Touristen hätte irgendwo noch ein Wasserfall sein sollen. Wir konnten keinen finden, kein Wunder bei der Trockenheit.



Wieder zurück nach Illapel ging es auf der D-705 weiter zum Chinchillas-Nationalpark. Der Nationalpark hatte wie erwartet geschlossen, eine schöne Parkmöglichkeit vor dem verschlossenen Tor war nicht vorhanden so dass wir ein Stück zurück gefahren sind und uns an einer Nebenstrasse ins ausgetrocknete Flussbett geparkt hatten.


Hier hatten wir uns auf die Suche nach Chinchillas begeben, leider waren keine zu finden. Nach Recherche im Internet waren wir schlauer, Chinchillas sind nachtaktive Tiere, kein Wunder das es jetzt nichts zu sehen gab.



Da es noch früh am Tag war und das Flussbett eher einer Schuttabladestelle glich haben wir beschlossen ein Stück weiter zu fahren. Es gab zwei Möglichkeiten um nach Combarbala zu kommen. Entweder die empfohlene längere, aber geteerte Variante oder die kürzere ungeteerte Variante. Geteert kann ja jeder, also haben wir die Schotterpiste gewählt.
Am Anfang ging die breite Piste moderat aber doch stetig den Berg hoch, an diversen Minen-Löchern und Minenarbeiter-Siedlungen vorbei.






Ab der letzten Siedlung wurde die Strasse dann schon schmaler war aber dennoch gut befahrbar.



Irgendwann kamen dann Schneereste in Sicht. Aber nachdem da schon Spuren eines anderen Fahrzeugs waren, konnte es ja nicht so schlimm werden 🤗


Von der Passhöhe hatten wir einen schönen Blick auf unsere zurückgelegte Strecke. Jetzt gings auf der anderen Seite wieder runter …

… und runter gings schneller als uns lieb war 🤭. Durch die geschmolzenen Schneereste war auf dieser Seite des Passes die Lehmpiste aufgeweicht und glich eher einer Matschpiste, was wir erst bemerkt hatten als der LKW ins rutschen geraten war.

Da hingen wir also auf 1.800m im Graben, die nächste Minenarbeiter-Siedlung ungefähr 15 km zurück, kurz vor Einbruch der Dunkelheit. Zum Glück hatte Timo es geschafft am Ende der 50m Rutschpartie das Heck zur Bergseite zu bugsiert. Auf der anderen Seite wäre es den Hang hinunter gegangen.
Unser wichtigestes Ziel war unser Zuhause vor Einbruch der Dunkelheit aus dem Graben zu bekommen und sicher zu stabilisieren um am nächsten Tag zu überlegen wie es weiter gehen könnte. Also haben wir uns ins Zeug gelegt und Steine angeschleppt um den Graben auszufüllen.

Die Steineschlepperei war mühsam und nachdem mich eine Vogelspinne unter einem Stein angrinste wurde vorher jeder Stein erstmal vorsichtig umgedreht. Immerhin wurde uns die Aktion mit schönem Sonnenuntergang und tollem Blick auf die Andenkette verschönert.

Erstaunlicherweise funktionierte unser Steinmäuerchen in Kombination mit den Sandblechen perfekt und wir hatten unser LKWle bis Einbruch der Dunkelheit wieder auf der Piste stehen und für die Nacht stabilisiert.


Trotz ruhiger Nacht und fantastischem Sternenhimmel hatten wir in der Schräglage schlecht geschlafen. Wir hatten den LKW zwar wieder auf der Piste aber wir wussten nicht ob wir weiter oder lieber im Rückwärtsgang den Berg wieder hoch fahren sollten.


Bei der Erkundung der Piste am nächsten Morgen hatten wir festgestellt dass es in der Nacht kalt gewesen sein musste denn der Matsch war fest. Da wir nicht wussten was uns beim Weiterfahren noch alles erwarten würde hatten wir uns auf zurück geeinigt. Die 600m im Rückwärtsgang bis zur Passhöhe gingen besser als erwartet und oben konnten wir unser Fahrzeug wenden.


Glücklich den Berg runter sind wir wieder ins Flußbeet beim Chinchilla-Nationalpark gefahren. Hier mussten wir erstmal eine Nacht ausruhen und die Schlafdefizite ausgleichen.


Nach einem ausgiebigen Mittagsschläfchen hatten wir uns dann zu Fuß nochmal auf die Suche nach Chinchillas aufgemacht und tatsächlich hatten wir eines vorbeihuschen gesehen. Es war aber so flink unterwegs dass wir mit fotografieren nicht hinterher gekommen sind.

Am nächsten Tag ging es dann ausgeschlafen auf der geteerten Straße weiter bis ins 135 km entfernte Monte Patria.






Über die WhatsApp-Chats wussten wir das bei Monte Patria einen geöffneten Camping gab. Ob wir auch nur für eine Nacht willkommen waren wussten wir nicht, dass galt es herauszufinden.



Wir waren willkommen. Außer ein paar vermieteten Cabanas war nur ein deutsches Expeditionsmobil auf dem Campingplatz.


Eigentlich wollten wir nur eine Nacht bleiben, aber wir hatten uns mit Marion und Walter so nett unterhalten, dass wir noch eine Nacht geblieben sind. Es gab auch viel zu erzählen und wenn ihr wissen wollt was man mit einem MAN-KAT in 15 Jahren Reisen alles erleben kann dann müsst ihr hier mal reinschauen: http://www.katonworldtour.com

Vielleicht wären wir auch nochmal eine Nacht geblieben, aber für den Ort an dem wir unseren LKW für den Heimflug am Samstag parken wollten wurde Quarantäne ab Freitag Nacht angekündigt. Um jegliches Risiko des festsitzen in Quarantäne auszuschließen hatten wir beschlossen den LKW schon am Freitag, also einen Tag früher zu parken. Somit hatten wir auf direktem Weg die Ruta 5 entlang die 350 km zurück nach Maitencillo in Angriff genommen.
Unterwegs hatten wir noch einen Picknickstopp über den Klippen zur Playa Costa Dorada eingelegt. Hier hätten wir auch bestimmt prima übernachten können doch wir wollten noch ein paar Kilometer fahren.





Durch den Picknickstopp wurde es doch spät und wir wollten nicht im Dunklen in Maitencillo ankommen, deshalb sind wir nochmal in die Dünen bei Pichidangue abgebogen. Aber diesesmal war unser Stammplatz besetzt 😳

Jetzt campten hier die Franzosen von Maitencillo. Sandy und Mathieu mit Kindern sowie Amandine und Hugo mit Hund. An Lagerfeuer wurde uns berichtet dass es drei Anläufe gebraucht hat um am Sanatory Checkpoint an der Mautstation von Pichidangue vorbeizukommen 😉
Am nächsten Tag mussten wir leider weiter und diesesmal sind wir bei strahlendem Sonnenschein an der Küste bei Pabudo und Zapallar entlang auf unserer Parkterasse in Maitencillo angekommen.


