05.06. bis 11.06.2020
Wir hatten uns entschieden nochmal in die Berge zu fahren. Dazu sind wir ab San Fernando dem Rio Tinguiririca gefolgt. Unterwegs kamen wir am Wegweiser nach Bellavista vorbei. „Schöne Aussicht“ klang gut und wir sind rechts abgebogen. An ein paar geschlossenen Campingplätzen vorbei ging die Strasse zuerst den Berg runter über einen Fluss und dann den Berg hoch.


Unterwegs hatten wir schon einen Übernachtungsplatz mit Panorama erspäht, aber wir wollten schauen ob sich im oder nach dem Ort eine Wandermöglichkeit ergab. Kurz vor dem Ort Bellavista sind uns Manuel und Sandra entgegengekommen. Sie fanden im Ort keinen geeigneten Übernachtungsplatz und waren wieder auf dem Rückweg. Wir wollten uns selbst davon überzeugen und haben auch eine Runde durch den Ort gedreht. Der Ort war wie ausgestorben, der einzige Wanderweg war nur für Ortsbewohner und von der örtlichen „Security“ wurde uns klargemacht dass sie in Bellavista keine Touristen wollen.
Wieder zurück haben sich Manuel und Sandra schon auf unserem „Aussichtsbalkon“ geparkt und eine Feuerstelle eingerichtet.

Am nächsten Morgen hatten sich unsere Wege wieder getrennt. Manuel und Sandra sind weiter gefahren, wir sind geblieben und haben die Fahrräder ausgepackt. Wir hatten in Wikiloc eine Fahrradtour gefunden und die wollten wir abfahren. Leider ging die Tour über Privatgrund und nachdem uns 3 bellende und 2 knurrende Hunde begrüßt hatten, entschieden wir auf Rückzug und sind nur eine kleine Runde durch Bellavista und wieder zurück geradelt.






Einziger Nachteil auf unserem Aussichtsbalkon war der fehlende Telefon-/Internetempfang und so mussten wir erst den Berg wieder runter fahren um mitzubekommen, dass San Antonio unter Quarantäne gestellt wurde.
Die Ruta 5, die eigentliche Panamericana geht mitten durch Santiago. Um nicht durch den Corona-Hotspot fahren zu müssen gab es jetzt nur den Weg zwischendurch. Die Hauptverkehrsrouten mit den Ausrufezeichen galt es zu vermeiden, denn da fanden die „Sanitary Checks“ statt.

Wir hatten Glück, die Ruta del Fruta (Ruta 66) entlang und durch Mellipilla durch gab es keine Gesundheitskontrollen. Nach Mellipilla hatten wir den Weg nach Casablanca eingeschlagen und in Ermangelung einer Alternative einen Übernachtungsplatz neben der Strasse in einer „Sackgasse“ angesteuert.






Am nächsten Tag sind wir weiter gefahren und bei Casablanca unbeabsichtigterweise auf die kostenpflichtige Ruta 68 nach San Antonio gekommen. Vor der Mautstation war ein „Sanitary Check“ der uns nicht passieren ließ und so durften wir auf der Autobahn wieder umdrehen.
Der Weg durchs Casablanca-Tal, übrigens Chiles bekanntestes Weißwein-Anbaugebiet, ging problemlos und so sind wir bei Algarrobo wieder am Meer angekommen.


Im Gegensatz zu der einsamen Küste zwischen Conception und Constitution sah es hier gaaaaanz anders aus.





Der Küste entlang Richtung Norden war es nicht einfach einen schönen Übernachtungsplatz zu finden, denn die meisten Zufahrten an die Strände gehörten zu irgendwelchen Apartementanlagen und waren mit Zugangskontrollen ausgestattet. Um so mehr freuten wir uns am Playa Grande von Quintay über einen super Parkplatz direkt am Meer.



Der Ortsteil oberhalb unseres Parkplatzs bestand aus romantischen Holzhäuchen und Villen die vermutlich überwiegend nur als Ferienhäuser benutzt wurden. Auch hier war der Ort ziemlich ausgestorben, da wegen Corona ein Aufenthalt am Zweitwohnsitz verboten war.


Nachdem der Besitzer der fantastisch gelegenen linken „Cabana“ uns entdeckt hatte, wurden wir eingeladen oben in seinem Hof zu parken. Er hätte WLAN und Netflix und ihm würde gefallen wenn unser LKWle vor seiner Tür parken würde. Wir haben dankend abgelehnt aber uns sehr nett unterhalten und dabei erfahren dass die Hütte rechts auf dem Bild von seinem Vater bewohnt wird.


Auf der anderen Seite des Playa Grande befindet sich Santa Augusta, eine Luxus-Appartement-Anlage mit Golfplatz und Swimmingpool.


Der eigentliche Ortskern von Quintay ist ca. 2 km entfernt und über einen Pfad entlang der Klippen erwanderbar. Im dortigen Hafen befindet sich die einst größte Walfanganlage Chiles, welches jetzt ein Museum ist. Auch wenn alles geschlossen war, waren wir neugierig.





Wie nicht anders zu erwarten war das Museum geschlossen, aber der Weg über die Klippen hat Spaß gemacht. Irgendwie muss sich in dem kleinen Dorf herumgesprochen haben dass „Deutsche“ am Strand parken. Auf dem Rückweg hörten wir plötzlich hinter uns „hola alemanes“. Nachdem wir uns umgedreht hatten Stand da ein junger Mann, optisch etwas ungepflegt, mit einem Sack. Wir dachten zuerst, ohje, der will jetzt bestimmt Geld von uns, aber wie das so ist mit Vorurteilen … er hat in seinen Sack gegriffen und uns zwei Kaktusfrüchte geschenkt.

Wir hätten es noch viel länger in Quintay ausgehalten, aber auf Grund der stetig steigenden Corona-Zahlen wurden für den nächsten Tag ab 22:00 Uhr Valparaiso und Vina del Mar unter Quarantäne gestellt. Jetzt hieß es für uns schnell noch durch um weiter in Norden zu kommen.
