Abstecher in die Bergwelt von Minas Gerais und Espirito Santo

30.03.2024 bis 05.04.2024

Die Küstenstraße würde jetzt weiter nach Rio de Janairo gehen. Da wir Rio schon in 2020 besichtigt hatten und viele, die wir unterwegs getroffen haben, vom guten Essen und den schönen Städtchen in Minas Gerais vorgeschwärmt haben, haben wir entschieden einen „kleinen“ Abstecher in die Bergwelt von Minas Gerais zu machen.

Wir hatten die Wahl zwischen direktem Weg mit 366 km oder alternativ die eigentlich komfortablere Variante mit 432 km. Beides lt. Google Maps so um die 6,5 bis 7 Stunden. Da die längere Variante nicht schneller sein sollte haben wir uns für den direkten Weg entschieden. Um es vorweg zu nehmen, es war ein wilder Ritt durch die Berge von Minas Gerais und für die 366 km mit Tankstopp und kurzer Frühstückspause waren wir locker 10 Stunden unterwegs 🙈.

Aber zunächst ging es gemächlich zur Sache, zufällig sind wir am bzw. dem einzigen Atommeiler von Brasilien vorbeigefahren. Da ein einladendes Schild auf das Visitor-Center verwies und es noch früh am Morgen war, sind wir abgebogen und haben einen Kurzbesichtigung gemacht.

Wir wurden als erste Gäste des Tages von einem Top englischsprechenden Mitarbeiter begrüßt. Nach kurzem Marketing-Video, wie so ein Kraftwerk funktioniert, haben wir uns nett über die Zukunft der Kernenergie in Brasilien ausgetauscht.

Brasilien arbeitet seit ca. 20 Jahren an der Erweiterung der Anlage um einen weiteren Meiler, denn die Kernenergie ist auch in Brasilien ein umstrittenes Thema.

Danach ging es auf der BR-494 kurvig und steil die Serra do Mar hoch.

in Allgemeinen sind die Straßen in ordentlichem Zustand – es gibt aber auch solche 😉
Blick zurück

Etwas erstaunt waren wir über die plötzlich auftauchenden Tunnels. Aber nachdem nirgends ein Höhenbegrenzungs-Schild zu sehen war und Brasilien im Allgemeinen sehr vorbildlich mit irgendwelchen Beschilderungen ist, sollte das für uns schon passen.

Nachdem der erste Höhenzug erklommen war, ging es kurvig aber moderat weiter durch ein Teil des Vale do Cafe. Aber von Kaffee-Pflanzen war weit und breit nichts zu sehen.

Stunden später standen wir dann vor der nächsten Herausforderung. Es musste nochmal ein „Gebirge“ überwunden werden.

Bei der Einfahrt in die Ortschaft Passa Vinte war schon ein großes Transparent gespannt, dass die Durchfahrt durch den Ort für LKWs verboten ist. Eine Alternative wäre ein weiter Umweg gewesen und wir waren da sowieso schon spät dran. Wie immer, wir fühlen uns ja nicht als LKW und so sind wir einfach weiter gefahren.

Zufahrt nach Passa Vinte

Am Anfang war die Straße auch noch sehr einladend, aber dann ging es im Ort um die Kurve und danach quasi Senkrecht den Berg hoch. Die Strasse war weggespült und es war nur noch ein Lehmpiste übrig. Unser Motor brüllte im ersten Gang und die Anwohner warfen uns ziemlich böse Blicke zu.

Video – sorry für die schlechte Qualität, ich war ein bisschen nervös 😬

Letztendlich sind wir problemlos oben angekommen und die Aussicht war natürlich grandios.

mein neuer Lieblingsort Passa Vinte 🥴

Kurz vor 18:00 Uhr sind wir dann auf dem Parkplatz im Goldgräberstädtchen Tiradentes eingefahren. Genau Richtig um uns noch kurz auszuruhen und uns fürs Abendessen „in Schale zu werfen“ 😂.

Tiradentes wurde zur Zeit des brasilianischen Goldrauschs im 18. Jhd. in kürzester Zeit aus dem Boden gestampft und ist ein schnuckeliger gepflegter Touristen-Ort.

lokales Bier aus Belo Horizonte
lecker Filet Mignon, wird immer mit Pommes und Reis serviert

Der Ort liegt am Fuße der Serra de Sao José, die mit mehreren „Trilhas“ erwandert werden kann.

Wir haben uns für den Trilha do Carteiro entschieden.

Eigentlich dachten wir der Wanderweg geht unterhalb der Hochebene entlang, aber irgendwann standen wir ganz oben.

Blick auf die Serra de Sao José
bisschen gekraxel zwischendurch 😁

Nach 12 km mehr oder weniger auf dem Bergkamm entlang, nach dem ersten Abstieg endlich die Abkühlung beim Wasserfall Mangue.

Wieder zurück am Auto, hatten wir uns von den Strapazen der Wanderung schnell erholt und ruhelos wie wir nun mal sind, wollten wir den Nachmittag nutzen und sind etwas spontan nach Congonhas aufgebrochen.

Congonhas gehört zu den wichtigsten Tourismuszielen, da dort auf einem Hügel viele koloniale Sakralbauten stehen, die 1986 von der UNESCO zum Weltkulturdenkmal erklärt wurden.

Erwartet hatten wir hier auch wieder so ein malerisches Kolonialstädtchen, aber hätten wir den Reiseführer vorher genauer studiert, dann hätten wir gewusst dass es eine größere Industrie-Stadt ist (Eisenerztagebau) und im Feierabendverkehr dementsprechend auch viel los war.

Unser gewählter Übernachtungsplatz war stark frequentiert und hat uns nicht gefallen und so haben wir kurzerhand umdisponiert. Leider waren wir jetzt ziemlich spät dran, es wurde schon dunkel und es gab im iOverlander nur eine nähere Alternative die sich nach „ruhig“ anhörte. Eine Ortschaft weiter, am Ortsende von Ouro Branco, auf der Zufahrsstraße zu einem Aussichtshügel, soll es eine ebene Stelle geben. Keine Ahnung wie Steil es da hoch gehen oder in welchem Zustand die Straße dort hoch sein würde. Jedenfalls waren es nur 500m von der Hauptstraße hoch, das sollte doch irgendwie zu schaffen sein.

Unser Übernachtungsplatz war im nachhinein ein Glücksgriff, die Straße war moderat steil jedoch ziemlich ausgewaschen, aber es gab genau eine ebene Ausbuchtung in die unser LKWle perfekt reinpasste. In der Zwischenzeit war es Stockdunkel, nur in der Ferne waren die Lichter von Ouro Branco zu sehen.

Nach einer kühlen und ruhigen Nacht mussten wir am nächsten Morgen erstmal schauen wo wir in der Dunkelheit gelandet sind.

Frühstück mit Fernblick

Wir trödelten noch ein bisschen rum und genossen die exponierte Lage um dann gegen Mittag, besser vorbereitet, die Barockstadt Ouro Preto anzufahren.

In der Bergbauregion liegen die Ortschaften alle an die Hänge geklebt und es gibt gefühlt nicht eine Strasse die nicht extrem steil nach oben geht oder eben extrem steil nach unten führt. In Ouro Preto gibt es nur einen ebenen Parkplatz und so umrundeten wir quasi zunächst mal den Ort um bequem auf diesen Parkplatz zu kommen. Ein eifriger selbsternanter Parkplatzbewacher organisierte uns eine Parkmöglichkeit, indem er diverse Autos umparken ließ, natürlich gegen ein Trinkgeld und versprach gut auf unser Auto aufzupassen.

Vom Parkplatz zum Praça Tiradentes waren es ungefähr 900 Meter und wieder „ausgehfein“ haben wir uns zu Fuß zum Abendessen bewegt.

Praça Tiradentes

Ouro Preto ist einiges größer als die Ortschaft Tiradentes, aber wir haben uns nicht unwohl gefühlt und schlenderten die kulinarische Meile an der Rua Conde de Bobadela bergab und entschieden uns für das Restaurant Parado do conde.

einmal Tilapia und einmal Rinderfilet mit Brombersoße 😋

Wir waren die einzigen Gäste, was aber definitiv nicht am Essen lag, sondern am Sonntag Abend in der Nebensaison.

Am nächsten Morgen haben wir dann fleißig die Kirchen abgeklappert.

Das wichtigste Objekt, die Igreja de São Francisco de Assis, ist eine der bedeutensten brasilianischen Kirchen aus der Kolonialzeit und eine der berühmtesten Werke des Aleijadinho, sozusagen dem brasilianischen Michelangelo, der an vielen Kirchen in Brasilien seine Spuren hinterlassen hat. Auch diese wichtige Kirche ist natürlich von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt worden.

Igreja de São Francisco de Assis
schnell noch zwei Tickets gelöst …
… dann durfte auch das Innere besichtigt werden.
Wunderschön ist auch die Deckenbemalung von Manuel da Costa Ataíde. Die ganzen Gemälde wurden auf Holz gepinselt.

Am Nachmittag waren wir fertig mit Besichtigung und haben uns dann wieder auf die 400 km nach Vitoria, an die Küste, auf den Weg gemacht.

Die Straße war insgesamt besser zu befahren, d.h. keine extremen Steigungen mitten in einer Ortschaft 😂 und auch nicht ganz so kurvig als auf dem Hinweg. Diesesmal ging es durch endlose Kaffee-Plantagen. In der Zwischenzeit sind wir irgendwo aus Minas Gerais in den Bundesstaat Espirito Santos gewechselt.

Trotz der „flüssigeren“ Straße war unser nächstes Ziel nicht bei Tageslicht erreichbar, so dass wir noch vor Einbruch der Dunkelheit einen Übernachtungsplatz brauchten. Da wir ja schon geübt sind, bei fremden Leuten im „Vorgarten“ zu übernachten, sind wir von der Hauptstrasse abgebogen, einige km in ein Tal gefahren und haben uns ein „offenes Tor“ einer Fazienda gesucht 🤗.

direkt unterhalb des Kuhstalls …
… war eine kleine Nische. Perfekt für uns 😁

Irgendwann kam der Hausherr vorbeigefahren und wir haben freundlich gefragt ob wir übernachten dürfen. So richtig geheuer waren wir Ihm wohl nicht, aber als dann Später noch sein Frau vorbeifuhr und wir bei Ihr nochmals unser Anliegen vortrugen war alles OK.

Am nächsten Morgen ging die Fahrt dann weiter.

wenn schon im Kaffee-Anbaugebiet, dann muss man ja auch mal einen Kaffe probieren
frisch gemahlen und durch den Siebträger 😋

So ungefähr 50 km vor Vitoria gab es noch einen kleinen Staatspark zu besichtigen, den Parque Estadual Pedra Azul.

Namensgeber für „Blauer Felsen“ ist der Granitfelsen mit 1822 m Höhe.

Es gibt einen kleinen Wanderweg mit 4,5 km zum Fuß des Granitfelsen. Am „Visitor Center“ mussten wir uns registrieren, dann wurde uns vom netten Mitarbeiter der Weg erklärt und das in Englisch (!).

Prinzipell hätte es keiner Erklärung benötigt, denn die Wege waren vorbildlich ausgeschildert.

Der Weg war am Anfang ganz moderat aber dann gings senkrecht den Fels hoch.

Oben angekommen mussten wir ganz schön schnaufen. Aber die Aussicht war phänomenal.

Blick zurück – nix für jemand mit Höhenangst 🙈

Oben gabs dann zur Belohnung der Strapazen die Abkühlung in den „Natural Pools“. Herrlich, wann kann man schon bei so einem Panorama im Wasser planschen?

Fazit für Parque Estudial Pedra Azul: alle Daumen hoch 👍

unser Übernachtungsplatz, diesesmal mit Bergblick anstatt Meerblick 😁

Viele Ortschaften auf dem Weg nach Vitoria wurden durch Einwanderer gegründet. So gibt es unterwegs öfters mal ein Denkmal welches an die Siedler-Trecks erinnern soll.

Von deutschen aus dem Hunsrück und aus Pommern besiedelter Ort ist Domingos Martins. Für einen kurzen Frühstücksstopp haben wir die (deutsche ?) Tradition von Osterhase und Ostereiern bewundert. Interessanterweise ist auf unserer ganzen Reise bis hierher Ostern an uns total vorbei gegangen.

Ziel erreicht, Vitoria, wir sind wieder an der Küste angekommen.

Promenade von Vitoria, Hauptstadt von Espirito Santo

3 Kommentare zu „Abstecher in die Bergwelt von Minas Gerais und Espirito Santo

  1. Those are wonderful pictures! Thanks for sharing.
    There are the same type of natural pools in Hawaii for cooling off.

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  2. Haller Timo u Elke, ich habe eure wandertet gelesen, da habt ihr schon eine große Tur ausgewählt 5 bis 7 km,so eine große Strecke, bis Asissi super.Kirchen habt ihr auch noch besichtigt,das finde ich schön.Ich war mit meinem Fuß beim Röntgen,es istnicchts zu sehen warum der Fuß mir weh tutArzt meint es istdurch meinfehlhaltung beim gehen,und dadurchach Abnützung,das Alter muß man auch bedenken,für 3 Tage habe ich einen neuen Verband ,dan schauen wir weiter. Ich wünsche euch weiterhin eine gute Zeit ,seit herzlich gegrüßt eure Mutter u.Agnes

    Von meinem iPad gesendet

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