Der lange Weg bis Feuerland

21.02. bis 01.03.2020

Von Gualeguaychu über die Ruta National 12 (RN12) geht es dann immer der RN3 entlang, bis ans „Ende der Welt“. Laut Navi 3.334 km. Unser Ziel ist es, bevor der Winter im Süden beginnt, so schnell wie möglich nach Feuerland zu kommen. Uns wurde immer erzählt dass es an der Ostküste auf dem Weg durch die Pampa sowieso nichts interessantes anzuschauen gibt. So haben wir mal mit einer Woche bis nach Feuerland kalkuliert. Ganz so uninteressant was es nun doch nicht, die Woche hat nicht gereicht und es sind einige Kilometer mehr geworden 🤗

Tandil

Gefühlt besteht Argentinien aus gigantische Weideflächen die alle zu diversen Estancias gehören. Leider ist alles eingezäunt so dass es entlang der RN3 unmöglich ist für eine Übernachtung ins „Grüne“ zu fahren. Aus diesem Grund haben wir einen kleinen Umweg über Tandil gemacht.

Tandil liegt an einer Bergkette der Sierras del Tandil und ist im Reiseführer als „hübsche, grüne, liebenswerte Stadt mit Weltklasse-Feinschmeckerläden“ beschrieben. Für uns war es eine schöne Abwechslung nach der flachen Pampa mal wieder ein paar Hügel zu sehen. Leider waren wir nach der langen Fahrerei zu Müde für einen Stadtbummel. Man müsste einfach mehr Zeit haben 😉

Unser Übernachtungsplatz am Lago del Fuerte

Am nächsten Tag ging es weiter, wieder auf die RN3. Unterwegs gab es dann auch Olivienöl und Salami zu kaufen. Zeit für ein kleines Picknick.

durch die Pampa

El Condor

Bei Bahia Blanca kommt die RN3 ans Meer. Unser nächster Stopp war El Condor. Ein typischer Ferienort, die Saison war schon beendet und der Strand gehörte uns alleine.

Timo‘s neue Freunde

Das Besondere an El Condor ist die Papageien-Kolonie die sich in der Steilküste eingenistet hat.

Zum Übernachten haben wir uns in die Dünen gestellt

Weiter an der Steilküste entlang nach Süden kommt man nach Punta Bermeja. Hier soll es Seelöwen zu bestaunen geben. Nachdem wir den teuren Eintritt gezahlt haben wurden wir mit einem Fernglas ausgestattet und los ging’s. Das Fernglas war auch notwendig und wenn wir gewusst hätten dass die Seelöwen weiter im Süden quasi neben der Strasse liegen hätten wir auf den Besuch verzichtet.

Die ersten Seelöwen und …
… der erster Nandu. Es werden noch einige folgen.

Las Grutas

Der Schock. Man muss dazu sagen es war Sonntag und das Thermometer hatte fast 30 Grad. Las Grutas war bisher auch der einzige Ort bei dem es an der Promenade Wohnmobil Verbotsschilder gab.

Wie an der Adria zur Hauptsaison 😂

Auf der Suche nach einem ruhigen Übernachtungsplatz sind wir ein paar Kilometer zurück gefahren und wurden in San Antonio Oeste fündig.

Die Nacht war auch ganz ruhig bis um 01:30 Uhr die Polizei an der Tür geklopft hat. Nach diversen Verständigungsproblemen haben wir verstanden, dass die Polizei auf der Suche nach einem 14jährigen Mädchen war und nebenbei unseren Übernachtungsplatz auch nicht für sicher hielt. Also haben wir uns dann wieder auf den Weg nach Las Grutas gemacht und uns zu ein paar anderen Wohnmobilen auf den Supermarkt Parkplatz gestellt. Praktisch da wir am Morgen sowieso Einkaufen wollten.

Isla Escondida

Eigentlich wollten wir auf die Halbinsel Valdes. Aber die Hauptattraktion sind die Wale und die haben wir um 2 Monate verpasst. Auf Empfehlung haben wir einen Abstecher zur Isla Escondida gefahren, dort soll es Pinguine geben. Auf dem Weg dorthin wurde noch schnell in Puerto Madryn eingekauft und Geld geholt. Praktischerweise hat der Carrefour-Supermarkt auch ein WesterUnion-Schalter und hier gab es kein Tageslimit und eine CDI brauchte man auch nicht.

Puerto Madryn: beliebt bei den Kreuzfahrtschiffen für den Ausflug zur Halbinsel Valdes
Isla Escondida – leider keine Pinguine …
… aber ein ruhiger Übernachtungsplatz …
… und Essen „en Casa“

Cabo Dos Bahias

Da wir zu Isla Escondida sowieso schon 50 km von der RN3 weg waren sind wir die RN1 nach Camarones weiter gefahren. Ungefähr 200 km gepflegte Schotterstraße. Ein paar Kilometer hinter Camarones, beim Cabo Dos Bahias soll es endlich Pinguine zu sehen geben und das kostenlos!

Cabo Dos Bahias ist auch ein Nationalpark mit sehr netter Rangerin. Toll, mit begehbarem Steg direkt „in die Pinguine“ gestaltet, erschließt sich uns das Nationalpark-System von Argentinien noch nicht. Bei allen kostenpflichtigen Nationalparks braucht man ein Fernglas um was zu sehen und bei diesem Kostenlosen kann man die Pinguine fast streicheln.

Zur Begrüßung ein Guanaco
ein Armadillo (Gürteltier)

Es hat uns so gut gefallen dass wir beim Nationalpark übernachtet haben und am nächsten Tag gleich nochmal reingefahren sind.

Übernachtungsplatz am Cabo Dos Bahias

YPF-Tankstelle bei Caleta Olivia

Zurück auf der RN3 sind wir durch Comodoro Rivadavia gefahren. Hier ist Argentiniens Öl- und neuerdings auch die Wind-Industrie zu Hause.

Entweder hat unserem LKWle die Schotterstrecken nicht gefallen oder die schlechte Straßen von Comodore Rivadavia. Jedenfalls quittierte er mit einer roten Meldung beim Gas geben temporär den Dienst. Wir sind dann noch bis zur nächsten Tankstelle gestottert und Timo hat den Fehlerspeicher ausgelesen. SPN 91 – irgendwas mit dem Gaspedal. Jedenfalls war es schon spät und wir sind an der Tankstelle geblieben. (Tankstellen sind in Argentinien überwacht und sicher !).

Neben uns Stand ein Camper aus Brasilien und wir haben uns gut Unterhalten. Unsere Nachbarn (Josino und Neide) sprachen portugisisch und wir englisch. Jedenfalls haben wir ein neues Wort gelernt, denn Josino hat den Weg entlang der Ruta 40 immer mit „lindo“ beschrieben. Als wir erzählt haben dass wir auch nach Brasilien ins Pantanal wollen haben wir spontan eine Einladung erhalten, denn die beiden wohnen im Pantanal.

Am nächsten Morgen hat Timo dann alle Stecker auf Wackelkontakt geprüft und ein paar Kabel mit Kabelbinder fixiert und seither läuft unser Wohnmobil wieder.

Etwa 10 Km nach dem Ort dann die Sensation. Quasi direkt neben der Strasse liegen die Seelöwen am Strand.

Zuerst haben wir uns das noch mit Abstand angeschaut …
… aber nachdem alle „Vorbeifahrenden“ kurz ein Selfie direkt vor den Seelöwen geschossen haben …
…. haben wir uns die Kolosse auch aus der Nähe angeschaut.

Puerto Deseado

In Puerto Deseado wurde uns unbedingt eine Tour mit den Darwin Expedicions empfohlen. Wir haben noch diskutiert ob wir den 100 km Abstecher machen sollen, aber hier soll es die seltenen Rockhopper Pinguine zu sehen geben und die wollten wir sehen.

Darwin Expedicions und unser Übernachtungsplatz mit WLAN

Es gab zwei Touren zu Auswahl. Die „Fluss“-Tour (Ria Deseado) startete am Nachmittag noch. Die Ganztagestour zur Pinguin-Insel würde vielleicht am nächsten Morgen stattfinden. Vorausgesetzt es finden sich 6 Personen zusammen. Eigentlich wollten wir nur die Pinguin-Insel machen, aber es wäre ja ziemlich doof wenn die Tour dann nicht stattfinden würde. Nachdem uns von Darwin Expedicions ein guter Preis für beide Touren gemacht wurde, dann halt Beide. Wenn‘s klappen sollte 😉

Nachmittagstour in den „Fluss“. Die Ria Deseado entstand aus der Überflutung des Mündungstrichter und besteht aus Meerwasser, daher eigentlich kein Fluss.
die Ausflugsboote
Roxane unser „Guide“ mit zwei weitern Kunden aus Brasilien.

In den Felsen der Ria leben diverse Kormorane. Ich habe die Namen leider vergessen, aber es waren glaube ich 6 verschieden Arten.

Dann ging’s weiter zum Seelöwen-Felsen. Hier sind nur die Weibchen mit der Nachwuchs.

Besuch der Magellan-Pinguine

Nach der Tour sind wir mit dem WoMo nochmal ans Fluss-Ufer gefahren um mit einem Bierchen den Nachmittag Revue passieren zu lassen. Die Tour war Spitze und hat sich auf alle Fälle gelohnt.

Am nächsten Morgen haben sich doch tatsächlich über Nacht noch 6 weitere Personen zusammen gefunden und die Tour zur Isla Pingüino konnte stattfinden.

die Fahrt dauert ca. 40 min und es war ganz schön frisch 🥶
Ausflug mit Picknick
das Graue sind See-Elefanten
Die Insel war früher von Wal- und Robbenfänger bewohnt. In dem Turm links im Bild wurde das Wal-Fett durch Erhitzung gewonnen.

Das absolute Highlight waren die „Rockhoppers“. In deutsch würden wir wahrscheinlich Felsenpinguine sagen. Die Pinguine können wirklich über die Felsen hüpfen und sind so süß. Oder nicht?

Der Ausflug zur Isla Pingüino war ein absolutes Highlight und es hat uns richtig gut gefallen. Zum Weiterfahren war es danach sowieso zu spät und wir haben noch ein wenig Puerto Deseado angeschaut.

Der Leuchtturm ist zugleich der Kirchturm – oder andersherum – der Kirchturm ist zugleich der Leuchtturm.

Puerto San Julian

Am nächsten Tag ging es zurück auf die RN3. Puerto San Julian kann man auf geteertem Weg erreichen oder man nimmt den Circuito Costero. Das sind ca. 30 km Schotterstraße an der Küste entlang. Hier gibt es auch nochmal Seelöwen zu sehen.

Der Hafen von Puerto San Julian gilt als Wiege der patagonischen Geschichte. Im Jahr 1520 ankerte Ferdinand Magellan als erste im Hafen. Aus diesem Grund gibt es auch ein Nachbildung des Schiffs welches als Museum dient.

Übernachtungsplatz am Circuito Costero kurz vor Puerto San Julian

Am Ortseingang gibt es einen super sortierten La Anonima-Supermarkt den wir in der Größe in diesem „Kaff“ eigentlich nicht erwartet hätten. Witzigerweise haben wir auf dem Parkplatz gleich 2 deutsche Camper getroffen. Darunter auch Edin und Jaqueline aus Düsseldorf, die wir schon von Montevideo kennen, da ihr Camper auch mit der Grande Argentina nach Montevideo verschifft wurde.

Jetzt sind wir schon über eine Woche unterwegs und haben immer noch fast 1.000 km bis „ans Ende der Welt“. Vielleicht verzichten wir auf Feuerland und wechseln auf die Westseite zu den Nationalparks bevor der erste Schnee fällt 🤔.

6 Kommentare zu „Der lange Weg bis Feuerland

  1. Auch wenn hier schon der Frühling einzieht kann man es vor lauter Corona Wahn nicht so richtig entspannt genießen. Wenn ich dann die schönen Bilder sehe, bin ich schon a bisserl neidisch. Noch viele tolle Erlebnisse!
    Grüßle aus ES Rainer

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    1. Danke! Leider ist Corona zwischenzeitlich auch in Südamerika angekommen. Sämtliche Grenzen wurden geschlossen. Wir haben es gerade noch im zweiten Anlauf nach Chile geschafft. Bisher die richtige Entscheidung, bekannte Reisende in Argentinien und Peru haben es schlechter erwischt. Wir werden jetzt erstmal in einem kleinen Ort die Lage beobachten, vermute aber das wir einige Wochen in der Region verharren müssen. Viele Grüße aus Chile Chico

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  2. Hallo Ihr zwei, super Bericht. Vielen Dank. Da bekommt man direkt Fernweh, insbesondere wenn man das Trauerspiel in Deutschland mit ansieht. Ich hoffe ihr bekommt von Corona nix mit (da verpasst ihr auch nix :-).
    Würsche Euch weiterhin viel Spaß und tolle Momente. Wir freuen uns schon auf den nächsten Bericht……
    Grüße aus dem Schwarzwald
    Fam. Reinbold

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    1. Hallo ihr fünf 🙂
      leider bleiben wir nicht verschont 😦 Habe gerade im Kommentar bei Rainer etwas dazu geschrieben. Bleibt spannend… 😦
      Viele Grüße und bleibt gesund!
      Timo & Elke

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